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Evangelische Kirche und Wehrburg


Um 1270 wurde die alte Nikolauskirche gebaut, eine spätromanische Pfeilerbasilika, von der im Westen das schöne Rundbogenportal mit der reich verzierten frühgotischen Fensterrose darüber sowie das gesamte Untergeschoss des massiven Glockenturms heute noch zeugen.

Vor allem das Westportal, von Säulen flankiert, deren Kapitelle links mit schlanken, langen Knollenblättern geschmückt sind, und die Fensterrose verraten den Einfluss der Zisterzienser, die im Burzenland ab der Mitte des 13. Jh. anzutreffen sind.

1839 wurde die mittelalterliche Kirche abgerissen. Am 29. April 1839 wurde durch Pfarrer Petrus Teutsch der Grundstein der neuen Kirche gelegt und am 6. Juli 1842 durch Dechant Christoph von Greissing die neue neoklassizistische Hallenkirche feierlich eingeweiht. (Der Einweihungsgottesdienst hätte bereits 1941 stattfinden können, musste jedoch wegen Nichtvollendung von Orgel und Altar bis zum folgenden Jahr aufgeschoben werden.)

Die Kirche wurde von Stadtingenieur Herczeg von Huttern gebaut. Ihre Länge beträgt 32,5 m, die Kirchenhalle ist 23 m lang und 18 m breit, der Chor ist 9,55 m lang und 8,35 m breit, der Triumphbogen und die Arkaden rechts und links sind von 1 m Dicke.

Die Turmgruppe der Westfront - bis zum dritten Geschoss aufsteigende Treppentürmchen zu Seiten des Westturms, in dessen zweitem Geschoss eine überwölbte Turmempore sich zum Mittelschiff hin öffnet - ist in Siebenbürgen einzigartig.

Die Kirche hat einen basilikalen Grundriss, von den drei Schiffen ist das mittlere breiter angelegt, die beiden Seitenschiffe sind mit Emporen versehen, die von außen über schmale Treppengänge zu erreichen und über die Orgelempore miteinander verbunden sind. Die Emporen werden von vier Paaren von Pfeilern mit rechteckigem Grundriss getragen. Die Arkaden dazwischen sowie die leichte Wölbung der Brüstungen an den Seitenemporen und der Orgelempore nehmen den massiven Pfeilern ihre Strenge. Die Gewölbe sind an Rändern und Ecken mit Pflanzenmotiven verziert. Über den Arkadenbögen sind Bibelsprüche angebracht - 1899, als die Kirche neu ausgemalt wurde, von den Kronstädter Malern Kreutzer und Romansky in schöner Kunstschrift gemalt. An den polygonalen Chor ist auf der nördlichen Seite eine vermutlich noch auf die gotische Kirche zurückgehende kleine Sakristei angebaut.



Den Chor schmücken Christus- und Abendmahlssymbole sowie das einem Dreieck eingeschriebene Gottesauge im Strahlenkranz (Symbol der heiligen Dreifaltigkeit). Der klassizistische Altar wurde 1890 von dem Rosenauer Meister Johann Bartel geschaffen: Ein segnender Christus (eine in Holz gefertigte, von Romanski bemalte Nachbildung eines Werkes von Bertel Thorwaldsen) wird von zwei korinthischen Säulenpaaren umrahmt. Darunter steht die Inschrift: „Friede sei mit euch”. Die Sockelfüllungen tragen Blumen- und andere pflanzliche Ornamente.

In dem von Pfr. Johannes Rauss 1756 angelegten „Neustädterischen Kirchenbuch” findet sich wohl der Eintrag: „Im Jahre 1757 ist ein neuer Altar und Kanzel unter dem Hr. Johannes Rauss verfertigt worden, dazu die Einwohner das ihre zugesteuert haben.”, doch wie der Altar der alten Kirche ausgesehen hat, ist nicht bekannt.

Zu beiden Seiten des heutigen Altars lassen vier hohe farbige Glasfenster, geschmückt mit den Bildern von Petrus und Paulus (gestiftet 1904) sowie den Portraits von Johannes Honterus und Martin Luther (gestiftet 1903), das Tageslicht nur gebrochen ein.

In die Chorwand sind zwei Schluss-Steine eingelassen, einer mit der Darstellung des Agnus Dei sowie eine Rosette. Art und Virtuosität der Darstellung lassen darauf schließen, dass der Stein mit dem Agnus Dei von einem gotischen Chor vom Anfang des 15. Jh. stammt, der vielleicht nur zwei Joche umfasste, und nicht vom Zisterzienserbau, dem jedoch die Rosette zugeordnet werden kann.

Hinter dem Altar ist ein Porträtgrabstein eingemauert - von Anna, der 1631 fünfundzwanzigjährig verstorbenen Frau des Neustädter Pfarrers Michael May. Der Stein wird dem bekannten Bildhauer Elias Nikolai zugeschrieben. Die Frauenbüste zeigt die Tote, mit dem „Krausen Mantel” bekleidet und im Frauenschleier, ruhend zwischen den Symbolen Christi und des Heiligen Geistes (Lamm Gottes und Taube). Umgeben ist sie von einem Rundbogen mit zwei Engelsköpfen im Bogenzwickel, der sich auf zwei Säulen stützt. In den Säulenschaft ist die Inschrift eingemeißelt: „Gottes Lamb Herr Jesu Christ, Dein werther Tod mein Leben ist.” Noch zwei weitere Inschriften trägt der Stein: ein altes Memento mori, „QUOD TU ES, EGO FUI, QUOD EGO SUM, TU ERIS.” („Was du bist, das war ich, was ich bin, das wirst du sein.” - was sinngemäß der heutigen Inschrift über unserem Friedhofstor entspricht) sowie als Randschrift: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich aus der Erde erwecken, und ich werde in meinem Fleisch Gott sehen. (Hiob 19, 25)”.






Auf dem gleichen Stein ist auch Pfarrer Marcus Franciscus verewigt, verstorben am 8. Mai 1719. Es ist möglich, dass der Grabstein bei der Errichtung der Kirche aus der Pfarrersgruft der an der hinteren Ringmauer bezeugten alten Kapelle hierher überführt wurde.

1757 wurde über die Kanzel ein „feiner Deckel gemacht” („Kirchenbuch”, ca. 1790).

Für die neue Kirche wurde 1842 durch Heinrich Popp, einen gebürtigen „Boier”(?), auch eine neue Kanzel geschaffen. Sein Gehilfe war Martin Copony, ein Tischler aus Kronstadt. Sie ist wie der Altar in klassizistischem Stil ausgeführt und mit vergoldeten Holzschnitzereien versehen. Als Sinnbilder wurden auf der Kanzel der Heilige Geist, als Taube dargestellt, und auf dem Schalldeckel die Weltkugel mit Kreuz und goldfarbenen Gesetzestafeln angebracht. Der graue Anstrich der Holzkanzel soll Marmor imitieren und wurde ebenfalls von Heinrich Popp ausgeführt.


Die Orgel, die 1710 unter Pfr. Daniel Rhein angeschafft wurde, stand über dem „Pulpet” auf der rechten Seite. Sie wurde 1757 auf Veranlassung von Pfr. Rauss in den neuen Altar eingebaut. 1782 wurde eine neue Orgel mit bemaltem (Barock-)Gehäuse gebaut. Auf einer Balgplatte der Orgel war eine Inschrift mit folgendem Text aufgeklebt:

„Mich machte Johannes Prause, Orgelbauer aus Kronstadt, gebürtig aus Preusisch Schlesien, seine Gehülfen waren Franz Prause und Michael Honigberger. Ich war seiner Hände daß in Siebenbürgen 6te verfertigte Werk, welches er durch Hülfe des Höchsten bis Ende Juny 1782 ausgefertigt und zwar unter der Obsorge hochachtbaren Herrn Petrus Roth Pfarrer, Georgius Maurer Priester, Petrus Cerellus Hann und Stefanus Molnar Rektor ... Nahmen angebracht.”

Vom Maler Josef Oelhon wurde jene Orgel am 22. Oktober 1782 angestrichen.


Der Orgelbauer Heinrich Maywald, aus Berlin gebürtig, baute 1841/42 für die neue Kirche in Neustadt auch eine neue Orgel. Die Marmorierung des Orgelgehäuses besorgte Heinrich Popp. Die Orgel von 1782 wurde Maywald „an Zahlungsstatt” abgetreten. Er baute sie 1842 in der Kirche in Gürteln bei Großschenk wieder auf.

1909/1910 wurde die Maywald'sche Orgel von Karl Einschenk sen., Orgelbauer aus Kronstadt, vergrößert und auf ein pneumatisches System umgebaut. Sie besteht aus zwei Manualen, Pedal und 24 klingenden Registern. Am 13. März 1910 war die Einweihungsfeier, bei der Musikdirektor Rudolf Lassel aus Kronstadt meisterlich auf der neuen Orgel spielte.

Die Orgel wurde noch einige Male von Karl Einschenk jun. nachgesehen. 1991 hat Kurator Kurt Boltres mit einem Schäßburger Orgelspieler (?) die Pfeifen der Orgel geputzt und geklebt.


In der „alten” Kirche gab es einen Taufstein und es gibt einen in der „neuen”, doch lässt sich über ihre Herkunft nichts finden. 1656 spendete eine Kronstädterin der Neustädter Kirche ein neues Taufbecken, 1779 schenkte der Schwiegersohn des damaligen Pfarrers Petrus Roth ein kleineres Taufbecken, 1829 schenkte Pfarrer Petrus Roth ein neues zinnernes Taufbecken. Während der Amtszeit von Pfarrer Herfurth bekam die Kirche ein versilbertes Taufbecken und für Haustaufen ein kleines silbernes Taufbecken und eine Kanne.

Unter Pfarrer Franz Herfurth wurde an einem Pfeiler links im mittleren Kirchenschiff ein Honterus-Medaillon (Plaquette) angebracht.


Eine Besonderheit in der Neustädter Kirche ist der Heldengedenkluster. Er soll an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnern. Der vom Kronstädter Schlossermeister Fröhlich handgeschmiedete Luster wurde am 19.4.1935 eingeweiht. Er besteht aus drei übereinander befestigten verzierten Ringen, an denen 50 elektrische Kerzenbirnen mit den Namen der Gefallenen darunter angebracht sind. Jeweils am Sonntag nach dem Geburtstag eines Gefallenen brannte die Kerze über seinem Namenstäfelchen.


Aus der halbdunklen Vorhalle führt links eine kleine Tür über einen engen, dunklen Treppengang in das zweite Turmgeschoss. Neben der Tür sind zwei Bibelsprüche an die Wand gemalt: „Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte; es ist ein köstlich Ding dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster. Ps. 92, 2” und „Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Römer 8, 38, 39”

An derselben Wand hängt ein großes Christusbild, von dem angenommen wird, dass es zum Altar der alten Kirche gehört hat.

Über der Eingangstüre zur Kirche steht der Spruch: „Dies ist der Weg, denselben gehet, sonst weder zur Rechten noch zur Linken. Jesaja 30, 21”

An der rechten Wand sind drei Wappen dargestellt, auch sie wurden 1899 von Kreutzer und Romansky gemalt: oben das Landeswappen bzw. das Wappen der sächsischen Nationsuniversität (drei Seerosenblätter im roten Schild); links das Wappen der früheren Provinz Burzenland oder Kronstädter Provinz (eine silberne Lilie und zwei goldene Sterne im schwarzen Schild); und rechts das Neustädter Wappen, wie es vor der Jahrhundertwende dargestellt wurde (im blauen Schild ein Eichenzweig mit geradem Stiel, einer vollen Eichel und zwei Blättern, umrahmt von einem offenen Lorbeerkranz).

Darüber steht: „AD RETINENDAM CORONAM: VNVS SIT POPVLVS” („Zum Schutze der Krone: Einig sei das Volk”) und darunter ein Spruch von Hoffmann von Fallersleben: „Wie die Eichen himmelan trotz den Stürmen streben, wollen wir auch ihnen gleichen, frei und fest wie deutsche Eichen unser Haupt erheben.”

Später wurden in der Vorhalle auf eichenen Tafeln rechts und links der Eingangstür die Namen der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen sowie der in sowjetischer Deportation Verstorbenen verewigt.


Der Glockenturm aus Tuffstein trug ursprünglich ein niedriges Dach mit Schalllöchern in einem zwischengeschobenen holzverschalten Umgang, wie der Weidenbächer Turm noch heute eines besitzt. 1900 wurde von der Firma Fuchs aus Bernburg eine neue Turmuhr mit vier Zifferblättern gekauft. 1903 wurde der Glockenturm um ein Stockwerk erhöht und ein dem des Zeidner Turms nachgebildeter Helm mit vier Ecktürmchen und einer Laterne darauf gesetzt.

In den kupfernen Turmknopf wurde eine verlötete Büchse eingelegt, in welcher sich noch heute nicht nur der Inhalt aus dem früheren Turmknopf befindet, sondern auch Nachrichten, Bilder und Münzen von 1903 sowie ein Brief an die nachfolgenden Geschlechter:


Ihr lieben Nachkommen!

Es ist viel Liebe und guter Eifer in diesen Bau hineingebaut. Begeisterung hat ihn begonnen und Liebe zu Gott und Volk hat ihn vollendet. Bedenket und ehret es, was wir euch hinterlassen. Das Denkmal frommer und treuer Väter übergeben wir vermehrt euch, den nachkommenden Geschlechtern. Wandelt in dem Geiste, der uns beseelt! Das heilige Gut des Evangeliums, mehret es, und vererbt es weiter von Geschlecht zu Geschlecht!


Die Mauern, die wir bauten, werden einst fallen, der Turm, den wir zur Höhe führten, wird einst wieder niederkommen, und der Turmknopf, den wir heute verschließen, wird einst wieder sich öffnen; alles ist hinfällig und vergänglich. - Aber nicht hinfallen und vergehen soll hier Gottes teuerwertes Wort, solange sie ihm treu bleibt, die evangelisch-sächsische Gemeinde Neustadt.

In dieser Hoffnung leben wir und bitten Gott um würdige Enkel von Geschlecht zu Geschlecht. Wie gewaltig auch der Druck des Schicksals sei - kein Schicksal, auch das härteste nicht, ist gewaltiger als das Gottvertrauen der frommen deutschen Seele! Harret aus und bleibet treu! Der Segen der Väter baut den Kindern Häuser! Es grüßt und segnet euch, die ihr für uns in weiter Ferne seid, das gegenwärtige Geschlecht unserer lieben Sachsengemeinde Neustadt durch das Presbyterium ...

D. Franz Herfurth und das gesamte Presbyterium

Es soll eine Reihe alter Glocken gegeben haben: eine mittelalterliche „mit verdrehtem Alphabet”, eine 1646 in Kronstadt gegossene und zwei kleinere aus dem 15. Jahrhundert.”

In der „Historie” von ca. 1790 findet man den Eintrag: „Auf dem Thurm sind drei ziemlich große Glocken, und auf dem Thurmlein der Kirche ein kleines Glöcklein, damit den Pulsanten gerufen wird. Ja es ist noch ein Glöcklein über dem Gang, damit man Abends um 8 Uhr, vor Zeiten, geläutet hat. Die mittelste Thurmglocke ist 1153 gegoßen worden, wie solches darauf zu lesen ist.”

1898 beantragte Pfarrer Franz Herfurth in einer Presbyteriumssitzung zu Ehren des 400. Geburtstages von Johannes Honterus den Kauf einer großen Glocke, die den Namen Honterusglocke haben sollte. Es wurde der sogen. Honterusfonds gegründet. 1903 konnte die Kirchengemeinde sich damit ein neues, schönes Geläute beschaffen. Sie entschied sich einstimmig für ein Geläute aus Bochum, von dessen schönem dunklen Klang Pfarrer Herfurth sehr eingenommen war.

Am 29. Juli trafen die Glocken auf dem Kronstädter Bahnhof ein. Ein Spediteur brachte sie auf drei Streifenwagen (Plattformwagen) bis zur Ortsgrenze am Büchel. Dort wurden die Glocken von den Neustädtern erwartet und mit Blumen und Tannenreisig geschmückt. Es wurden weitere Pferde vor die Wagen gespannt, so dass sie sechsspännig ins Dorf fuhren: voran die Honterusglocke, auf dem zweiten Wagen die Sonntagsglocke und auf dem dritten die Werktags- und die kleine Glocke. Die noch brauchbare mittlere Glocke der drei alten (1646) wurde nach Denndorf verkauft. Die anderen zwei (die große 450, die kleine, gebrochene, fast 800 Jahre alt) kaufte der Glockengießer Seltenhofer aus Oldenburg ab.

Vom 15. - 18. August 1916 mussten die drei kleineren Glocken abmontiert und zerschlagen und zum Gießen von Munition abgeliefert werden. Nur die Honterusglocke konnte weder abmontiert noch zerschlagen werden. So versah sie von da an den Dienst in der Gemeinde allein.

1925 konnte man endlich wieder drei neue Glocken kaufen. Sie wurden wie das vorherige Geläute bei der gleichen Firma in Bochum bestellt. Sie haben dieselben Formen und Gewichte wie die vorherigen. Sie kosteten 254.860 Lei. Für die Finanzierung wurden für die Jahre 1926, 1927 und 1928 die Kirchentaxen verdoppelt.

Auf der Honterusglocke ist die Inschrift eingraviert: „Wachet und betet! Dem Andenken des Johannes Honterus! 1. Mai 1898” - „In Treue fest, im Sturme treu! Aus Bochum kamen wir nach Neustadt 1903.” Geziert ist die Glocke mit dem Ortszeichen von Neustadt, einer Eichel mit zwei Eichenblättern. Sie hat den Ton Ais.

Die Sonntags- und Mittagsglocke trägt die Inschrift „Der Glaube lebt, der Christ erstand, alles Hasses Macht er überwand”, sie hat den Ton Cis.

Die Werktags- und Abendglocke mit der Inschrift „Seid fröhlich in Hoffnung” hat den Ton E. Die kleine und Morgenglocke mit der Inschrift „Geduldig im Trübsal” hat den Ton G. Die Tonharmonie des Geläutes ist im Septimakord ais-cis-e-g gestimmt.

Die Glockenweihe fand am 26. April 1925 statt. Die Liturgie zelebrierte Prediger Heinrich Figuli und Pfarrer Julius Wolff hielt eine eindrucksvolle Predigt. Die Weihe selbst nahm als Höhepunkt der Feier Bezirksdechant Johannes Reichert vor.

Glockenläuten:

Alle zusammen
   

Das Läuten der Glocken wurde vom Kirchendiener und seiner Familie besorgt, bis 1976 wie in alten Zeiten durch Ziehen an dicken Strängen. Doch am 14.8.1976 begann eine elektrische Läuteanlage, die von den in Deutschland lebenden Neustädtern gespendet worden war, ihren Dienst und damit war der Kirchendiener von der Mühe befreit.

Im 15. und 16. Jahrhundert erfolgte der Bau der Kirchenburg. Der ovale Grundriss deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Anlage lange vor der Türkenzeit entstanden ist. Die Burg wurde ganz aus Bruch- und Fluss-Stein errichtet und besteht aus einer doppelten, konzentrischen Ringmauer, deren innerer Ring, bei einer 1,5-2 m starken Basis, 6-10 m hoch aufragt, während die Außen- oder Zwingermauer, die äußeren Ecken der Wehrtürme verbindend, nicht höher als etwa 4 m ist. Drum herum verlief ein Wassergraben, der vom Weidenbach gespeist wurde und „in welchem die Einwohner Kohl=Pflanzen im Frühjahr säen” („Kirchenbuch”, ca. 1790).

Von den ursprünglich neun Wehrtürmen an der inneren Mauer sind acht bis heute erhalten geblieben. Besonders reizvoll ist die Vielgestaltigkeit dieser Türme. Im Westen und Nordosten haben sie halbrunden Querschnitt und tragen Pultdächer. Die übrigen, von quadratischem Querschnitt, tragen teils Pult-, teils Zeltdächer mit eisernen Wetterfahnen auf den Spitzen.

Die Burg besaß ursprünglich lediglich einen Laufsteg auf der Mauerbreite. An der Südseite führen geländerlose, parallel zur Mauer steil aufsteigende Steinstufen zum Laufsteg empor, der die Verbindung zwischen den Wehrtürmen herstellt, deren Einstiege auch sämtlich in dieser Höhe liegen.

An den Mauern und Türmen haben sich die originalen rechteckigen und schlüssellochförmigen Schießscharten erhalten sowie aus Ziegelsteinen errichtete, auf Konsolen ruhende Pechnasen. Entlang der Innenmauern sind in der Höhe der Obergeschosse der Türme auch noch die Balken und Kragsteine zu erkennen, auf denen dereinst der die Türme verbindende Laufsteg lag.

Die beiden Mauergürtel sind an nur einer Stelle im Westen durch eine gewölbte Torwehre verbunden. Dieser Torwehre wurde im 17. Jh. ein halbrundes Vorwerk vorgebaut, durch dessen eisenbeschlagenes Tor man in den Vorhof und über eine Zugbrücke zu dem unter dem Torturm befindlichen, mit einem Fallgitter geschützten dunklen, niederen Eingang in den Burghof gelangte. Der polygonale Turm im Westen neben dem Vorwerk steht als einziger an der Außenmauer und ist jüngeren Datums (1654). Wie die Reste eines Kamins sowie ein Rauchloch in der Wand zeigen, war dieser Turm einerseits bewohnbar, andererseits wurde darin möglicherweise auch das zur Verteidigung der Burg benötigte Pech und Wasser gekocht.

Im Nordwesten ist der zwischen den beiden Ringmauern befindliche Zwinger stark verbreitert. Die niedrige, ebenfalls mit Schießscharten versehene Außenmauer ist bis ans Bachufer vorgerückt, um einen größeren Raum zu schaffen, der in Belagerungszeiten auch der Viehherde Zuflucht bot. In jüngerer Zeit wurde/wird noch heute dieser Raum durch die Burghüter als Wirtschaftshof genutzt.

1899 wurden wegen Baufälligkeit der hölzerne Wehrgang an der Wehrmauer des inneren Berings sowie die „Fruchthäuschen” abgerissen, Vorratskammern, die wie jene in anderen Kirchenburgen in gefahrvollen Zeiten behelfsmäßig auch als Wohnungen genutzt wurden.

1907 wurde der Torturm aufgestockt und es entstand das Gebäude, dessen Erdgeschoss als Burghüterwohnung dient und das heute im ersten Stock der einen Seite den Kassenraum und weitere Gemeinderäume beherbergt sowie auf der anderen das ehemalige Zimmer der Gemeindeschwester bzw. das nachmalige Konfirmandenzimmer.

Die Wehrburg wurde des öfteren zumindest teilweise zerstört. Die darauf folgenden Reparaturen und der Umbau mancher Türme verliehen ihnen das gegenwärtige Aussehen. Die 1960-1961 vorgenommene große Restaurierung (während der auch die 120jährige „Fleischbank” mit dem Eiskeller abgetragen wurde) hob die älteren Bauteile wie auch die unterschiedlichen Bauphasen der Wehranlagen hervor. 1965 wurden die Quader-Imitationen an den Turmpfeilern entfernt und die schöne Steinrosette unter der Leitung des Architekten Karl Friedrich ausgebessert. Im folgenden Jahr wurde ein starker, moderner Blitzableiter auf den Turm montiert. 1983 kam es dann zur letzten großen Renovierung der Kirche und des Turms, nach deren Abschluss Ortspfarrer Andreas Klein in seinem ausführlichen Bericht vor allem die von den Gemeindegliedern weit über das veranschlagte Maß hinaus geleistete freiwillige Arbeit ganz besonders würdigte.

Doch wurden und werden die Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten von den wenigen in Neustadt noch lebenden Sachsen (auch mit finanzieller Unterstützung durch die Heimatortsgemeinschaft) mit bewundernswertem Engagement und gewissenhaft weitergeführt, so dass Kirche und Burg sich auch heute in sehr gutem Zustand befinden und es nach wie vor eine Augenweide ist, sie anzusehen.